Weitere Hauptdarsteller

Meiner Meinung nach hat die Anpassungfähigkeit und Unabhängigkeit der Katze dazu geführt, dass sie inzwischen den Hund als beliebtestes Haustier der Deutschen abgelöst hat. Mit Hunden muss man Gassi gehen und wer ganztags berufstätig ist, sollte eigentlich keinen Hund halten, wenn er ihn mehr als 8 Stunden am Tag allein lassen muss. Katzen hingegen benutzen ihr Katzenklo und können sich auch gut allein beschäftigen. (Dass beides nicht immer funktioniert und was man dagegen tun kann, findest du bald unter „Verhalten“.) Fakt ist, dass viele Katzen reine Wohnungskatzen sind. Es liegt auf der Hand, dass diese Tiere ganz andere Bedürfnisse haben als ihre Artgenossen, die sich draußen auspowern können.

Bei der Katzenparade waren Luther und Medi aus Frankfurt lange Zeit unsere Models für die Wohnungskatzen. Aber auch hier hat inzwischen ein Wachwechsel stattgefunden. Ihre Rollen haben Casius und Chai übernommen. Mehr über diese beiden findet ihr in den folgenden Abschnitten. Wer die Geschichten von Luther und Medi nachlesen möchte, muss etwas weiter nach unten scrollen.

Die Wohnungskatzen: Casius…

casius_2015_02_sofa1
Nach Luthers Tod maunzte und schrie Medi jede Nacht und ihre Menschen bekamen kein Auge zu. Es war nicht zu überhörenm dass Medi ihren langjährigen Kumpel vermisste, aber sollten Susette und Alexander es wagen, Medi einen neuen Partner zu suchen? Schließlich war sie nicht mehr die jüngste, herzkrank und ein sehr ängstliches Tier. Konnten sie ihr den Stress einer Vergesellschaftung zumuten? Was wäre, wenn sie sich mit der neuen Katze nicht verstehen würde? Fragen über Fragen. Doch als nach über zwei Wochen kein Ende der nächtlichen Ruhestörung in Sicht war, fuhr Susette kurzentschlossen zur Katzenhilfe Frankfurt. Dort hörte man ihr aufmerksam zu und meinte: „Da kommt nur ein Kater in Frage, der Cassius.“ Als Susette den sanften 6-jährigen Tiger sah, war es um sie geschehen. Mit dem wollte sie es probieren!

Zunächst lief es nicht gut. Zum einen war Casius (das weiche „s“ fanden seine neuen Besitzer schöner) von der neuen Umgebung überwältigt und versteckte sich in den hintersten Ecken. Zum anderen gefiel Medi der Eindringling ganz und gar nicht. Sie knurrte und brummte, wie es ihre überraschen Menschen noch nie von ihr gehört hatten. Doch Casius ließ nicht locker. Er war andere Katzen gewohnt und vermisste die Nähe eines Artgenossen. Er machte Medi vorsichtig den Hof, immer ganz freundlich und zurückhaltend, sie nie bedrängend. Wie ein mittelalterlicher Minnesänger sang er ihr ein Lied, wenn sie von ihrem Schläfchen auftauchte. Maunzte freudig bei ihrem Anblick und stubste sie zärtlich. Welches weibliche Wesen könnte so viel uneingeschränkter Bewunderung schon widerstehen? Nach einer Weile erlag Medi seinem Charme und Casius durfte sich sogar den Schlafplatz mit ihr teilen.

… und Chai

chai_2016_03_decke_kp
Nach einjähriger, harmonischer Zweisamkeit musste sich Casius von seiner Medi für immer verabschieden. Wenn überhaupt möglich litt er noch mehr unter der Trennung als damals Medi und Susette fackelte nicht lange. Als sie die zweijährige Chai dann in ihrer Wohnung aus dem Katzentransporter ließ, sah es zunächst so aus, als ob dies wieder ein langfristiges Projekt werden würde. Chai schoß unters Bett und ward nicht mehr gesehen. Aber dank Casius klappte die Integration dann doch schneller und reibungsloser als befürchtet. Inzwischen ist Chai eine lebhafte (und wagemutige!) junge Dame, die in ihrem neuen Zuhause sichtlich aufgeblüht ist. Sie schmust leidenschaftlich gerne mit ihren Menschen und betet ihren Casius an. Sie weicht nur selten von seiner Seite – so viel weibliche Aufmerksamkeit ist doch mal eine schöne Abwechslung für den letzten Gentleman!

In Memoriam: Luther…

luther_2013_02_portrait_w„Des einen Leid ist des anderen Freud.“ Dieses alte Sprichwort trifft voll auf Luther zu, denn er verdankt der schweren Krankheit seines Vorgängers sein neues Zuhause. Der junge Rambo befand sich just zu dem Moment in einer Box beim Tierarzt, als der kranke Senior dort ebenfalls behandelt wurde. Nach dem Tod ihres Lieblings erinnerten sich Susette und Alexander sofort an den schönen Jungkater. Sie eilten zum Tierheim und tatsächlich war er noch da. Seit Luther 1998 in seinem neuen Zuhause aus dem Transporter sprang, war die Wohnung nicht mehr dieselbe. Er hatte sie sofort – in jeder Beziehung – in Besitz genommen und hielt ständig neue Überraschungen für seine Dosenöffner bereit. Eigentlich sollte er einer bereits vorhandenen alten Katzendame die Trauer über den Verlust ihres langjährigen Partners vertreiben, doch die war von dem jungen Wildfang nicht wirklich begeistert. Nach vielen Jahren des harmonischen Zusammenlebens mit seiner neuen Partnerin Medi, starb Luther im Oktober 2014 an den Folgen eines Magentumors.

… und Medi

medi_2013_03_entspannt_w
Luthers neue Partnerin Medi stammt von der Tierhilfe. Sie war zwar nicht die sprichwörtliche Katze im Sack, aber saß fast unsichtbar ganz hinten in einem Käfig und tat Susette so leid, dass sie sie einfach mitnahm. Keine so gute Idee, wie sich später herausstellte. Sie hatte nicht nur eine Katze zu sich genommen, die sie gar nicht richtig gesehen hatte, sie wusste auch sonst sehr wenig über ihren neuen Schützling – beispielsweise, dass Medi ein total verängstigtes Tier war. Kaum im neuen Zuhause angekommen, suchte Medi wie der Blitz die erste Deckung, die sie finden konnte: ein Loch unter dem Bett. Für eine Hundertstelsekunde wurde sie gesehen. Das war es. Sobald sich ein Mensch blicken ließ, verschwand sie unter dem Bett. Sie fraß nur nachts und wurde so gewissenmaßen unbemerkt erwachsen. Es hat tatsächlich Jahre gedauert und unendliche Geduld erfordert, dass aus Medi eine ganz normale zutrauliche und schmusige Katze wurde. Sie hatte einen Herzmuskelfehler und musste täglich Medikamente bekommen. Was allerdings problemlos funktionierte. Als typische „Gewohnheitskatze“ schätzte sie ihre Rituale, wie bespielsweise den Ausflug auf den Balkon – egal bei welchem Wetter. Medi musste im Dezember 2015 im Alter von 15 Jahren eingeschläfert werden, weil nichts mehr gegen ihre schwere Atemwegsinfektion half.