Das Revier

Isbjoern auf dem Katzentrampelpfad

Isbjörn auf dem Katzentrampelpfad

Katzen leben ja unter den unterschiedlichsten Bedingungen: verwildert und im Verborgenen oder in enger Gemeinschaft mit dem Menschen in der Wohnung. Während ich – dank des katzensicheren Gartens – immer weiß, wo sich die Mehrheit des Teams aufhält, würde es mich natürlich brennend interessieren, wohin Ginger, Maxine und Jaspar so verschwinden.

Reviergröße
Dabei stellt sich Frage, wie viel Platz braucht eigentlich eine Katze? Die typische Katzenantwort lautet: Das ist individuell unterschiedlich! Logischerweise muss eine Wohnungskatze mit weniger Auslauf auskommen als ein Freigänger. Männchen haben ein größeres Revier als Weibchen, alte Tiere brauchen weniger als junge – und wenn es nach Mira ginge, würde ihr das Haus völlig reichen 😉 Mein Katzenbuch sagt, dass bei Weibchen die Reviergröße zwischen 200 qm und 170 Hektar betragen kann. Katerreviere sind dreimal größer. Eine wichtige Rolle bei der Reviergröße spielt das Nahrungsangebot. Dabei ist die Katze wie immer ganz pragmatisch: Ist genug zu fressen für alle da, gibt es keine Probleme. Nur wenn das Futter knapp ist, verteidigen auch Katzen ihr Gebiet.

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Das Innenteam beim gemeinsamen Frühstück.

Familienbande
Generell unterscheiden sich Katzenreviere von Hunderevieren, denn in einem Katzenrevier können durchaus mehrere Tiere zusammenleben. In diesen Großfamilien wird oft auch der Nachwuchs gemeinsam gesäugt und aufgezogen. Ein Leben als Einzelgänger ist in so einem lockeren Verband ebenfalls möglich, denn man kennt sich ja. Dahingegen haben fremde Katzen fast keine Möglichkeit in so eine verschworene Gemeinschaft aufgenommen zu werden. Das sollte jeder bedenken, der sich beispielsweise zu einer vorhandenen Katze noch eine weitere holen möchte oder der eine neue Katze in eine bestehende Gruppe integrieren will.

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Ginger frisst und Maxine stört sich nicht daran.

Beispiel: Ginger und Maxine
Auch wenn Maxine schon fast vier Jahre bei uns ist, kam sie die ersten Jahre nur nachts zum fressen. Ginger konnte sie zwar von seinem Fenster aus sehen, aber direkte Berührungspunkte gab es nicht. Seit sie vor einem Jahr Jaspar mitgebracht hat, ist auch Maxine ständig bei uns. Sie schläft im Schuppen, döst im Schatten unterm Flieder oder unter den Autos und ist selbstverständlich jeden Morgen zum Frühstück zur Stelle. Im Winter war das noch kein Problem für Ginger, da er bei schlechtem Wetter immer nur kurze Ausflüge macht. Im Frühjahr konnten sich die beiden dann nicht mehr aus dem Weg gehen. Während Jaspar Ginger mit seinem jugendlichen Charme (und der Tatsache, dass er jede potentiell heikle Situation einfach nicht ernst genommen und stattdessen immer zum Spielen aufgefordert hat) um die Pfote gewickelt hat, war ich gespannt, wie sich Maxine und Ginger arrangieren würden. Vorab: Alles läuft prima! Man muss dabei natürlich berücksichtigen, dass beide von ihrer Anlage her sehr vorsichtige, wenig agressive Tiere sind, die keine Auseinandersetzungen suchen. Maxine ist allen Konfrontationen (beispielsweise mit Merkel) schon immer aus dem Weg gelaufen, während Ginger schon wegen seines Alters nicht erpicht auf Schlägereien ist. Derzeit respektieren sich die beiden und machen nichts, was den anderen eventuell provozieren könnte – gute Voraussetzung für eine friedliche Akzeptanz.

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Isfrid markiert durch Kratzen.

Alles meins: Markieren
Ähnlich wie Hunde laufen auch Katzen ihr Revier ab und setzen Duftmarken unter anderem durch Reiben mit dem Kopf, Kratzen und Markieren mit Urin und/oder Kot. Kater und Katzen markieren, sobald sie geschlechtsreif sind. Generell markieren unkastrierte Tiere häufiger als kastrierte und Männchen mehr als Weibchen. Aus dieser „Visitenkarte“ lassen sich Identität, Geschlecht und sogar der Ernährungszustand erkennen. Für den typischen „Geruch“ potenter Kater zeichnet das Felinin verantwortlich, das in großen Mengen im Urin ausgeschieden wird. Da die Zusammensetzung des Felinin von der Futterqualität abhängt, können andere Katzen daraus Rückschlüsse auf den Ernährungszustand des „Sprayers“ ziehen. Diese Information ist besonders interessant für die Damenwelt, gibt sie doch einen Hinweis auf die Qualitäten der Herren als potentielle Vererber.

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Joschi geht „normal“ aufs Klo.

Während sich die Katze beim normalen Urinablassen breitbeinig hinhockt und die Stelle zuscharrt, steht sie beim Markieren in der Regel aufrecht. Das Hinterteil wird zum Objekt gerichtet (meist senkrechte Gegenstände wie Büsche, Wände etc.) und mit hoch nach oben gestrecktem, manchmal zitterndem Schwanz wird der Urin an die gewünschte Stelle gespritzt. Wohnungskatzen tun oft nur so als ob. Dann wird die charakteristische Haltung eingenommen, aber versprüht wird nichts. Ginger markiert beispielsweise drinnen „trocken“ und draußen in hohem Bogen mit Urin.